Permanentes Provisorium


27. Februar 2013

Computerspiele im Nostalgietest

Autor: marius – 21:40

2012-12-27 15.47.11


Im vergangenen Urlaub in Kalifornien hatte ich die Gelegenheit zu einem nostalgischen Ausflug: In einer Spielhalle in Santa Cruz gibt es eine erlesene Sammlung von alten Videospiel-Automaten-Klassikern, und praktischerweise war ich in nerdiger Begleitung unterwegs – also ran an die Automaten!

Es gab dort wirklich alles, was man so an Videospiel-Klassikern aus den frühen 80ern kennt: Pac Man, Donkey Kong, Tetris, Space Invaders, Phoenix, Q-Bert und vieles mehr. Natürlich gab es dort auch moderne Videospielautomaten, aber die waren erst einmal egal.

Dazu muss man wissen, dass ich durch diese Spiele meine erste Berührung mit Computertechnik hatte. Ich war vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, da fand man mich regelmäßig bei den Nachbarn, wo ich deren Atari 2600 malträtierte. Auch mein älterer Cousin hat mich früh in die Faszination von Computerspielen eingeführt, und nicht viel später hatte ich dann auch meinen ersten Commodore-Computer zu Hause. Man mag das als reine Spielerei abtun, und das war es sicher auch, aber die Spiele haben für mich rückblickend schon eine wichtige Bedeutung gehabt: Sie haben mir früh die Scheu vor der digitalen Technik genommen und meine Begeisterung geweckt, sie brachten mich mit ähnlich interessierten Freunden zusammen und auch meine technischen Fähigkeiten wurden so schon früh geschult – man musste sich bei technischen Probleme ja irgendwie selber zu Helfen wissen.

Es ist faszinierend, diese alten Spiele heute noch einmal zu spielen. Ich erinnerte mich an meine frühe Faszination als Kind und Jugendlicher, dachte an meine ersten Erfahrungen zurück und genoss natürlich auch einfach das Spielerlebnis. Die alten Spiele haben dabei einen ganz besonderen Charme, denn das Spielprinzip ist häufig sehr, sehr simpel. Meistens geht es darum, irgendeinem Pixelhaufen auszuweichen und gleichzeitig auf irgendeinen anderen Pixelhaufen loszurennen oder zu schießen. Ich war sofort wieder drin.

Eine andere Erkenntnis brauchte dagegen etwa eine halbe Stunde Spielzeit, bis sie bei mir ankam: Diese alten Spiele sind eigentlich schon zu simpel. Es gibt meistens nur ein Spielprinzip, und die Spiele werden einfach immer schneller und schwerer bis irgendwann das unvermeidliche „Game Over“ auf dem Bildschirm erscheint. Das macht eine Weile lang Spass, aber wird irgendwie doch schnell langweilig. Warum hat mich das früher eigentlich stunden- und tagelang gefesselt, wo es mir heute schon nach einer halben Stunde auffällt?

An diesem Punkt begann ich, den Rest der Spielhalle zu erkunden. Die Ecke mit den Videospiel-Klassikern belegte vielleicht 10% der gesamten Fläche, und es gab noch viel, viel mehr zu entdecken: Rennsimulationen mit echten Motorrädern, die sich durch Gewichtsverlagerung steuern ließen. Virtual Reality-Spiele, die mit einem speziellen Helm gespielt wurden. Musik- und Kampfsportspiele, Filmadaptionen und Geldspielautomaten und noch vieles mehr. Alle davon hatten deutlich beeindruckendere Grafik, einige hatten sogar so etwas wie Handlung und manche Spiele waren auch nur durch ihre ungewöhnlichen Eingabegeräte interessant. Nicht alles davon war toll, aber vieles davon machte wirklich Spass – und fesselte mich deutlich länger als die Klassiker.

Ich dachte dabei darüber nach, was ich denn in den letzten Jahrzehnten so alles an Computerspielen mitbekommen hatte. In den 90ern faszinierten mich die klassischen Adventure-Games (Maniac Mansion, Monkey Island), die ersten Ego-Shooter (Doom, Quake), vereinzelte Rollenspiele (Dragonlance) und natürlich diverse Simulationen, Puzzlespiele und Jump&Run-Games. In den letzten Jahren habe ich Action-Adventures für mich entdeckt, die teilweise mit kinoreifen Stories glänzen (z.B. Mass Effect, Assassin’s Creed, Red Dead Redemption). Computerspiele sind weit gekommen, seit ich mich das erste Mal mit ihnen beschäftigt habe.

Und irgendwo hier hörte dann tatsächlich meine anfängliche Nostalgie auf.

Es war schön, noch einmal all die alten Spiele gespielt zu haben. Sie waren irgendwann mal wichtig für mich und ich denke gerne an sie zurück. Aber würde ich die heutigen Spiele gegen die von vor 20 Jahren eintauschen? Oder auch nur gegen die von vor 5 oder 10 Jahren? Definitiv nicht.

videospiele

 

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