Permanentes Provisorium


1. Oktober 2012

Ich mag Werbung.

Autor: marius – 09:32

Wenn man umzieht – was bei mir vor etwa 3 Jahren der Fall war – dann muss man sich ein Stück weit neu orientieren. Man weiss zunächst noch nicht, wo es die leckersten Brötchen gibt, wo die nächste Reinigung ist und in welchen Baumarkt man am besten fährt.

Genau aus diesem Grund haben wir das „Bitte keine Werbung“-Schild am Briefkasten, das dort noch vom Vormieter klebte, direkt am Anfang entfernt. Natürlich wanderte viel von dem, was in den anschließenden Wochen und Monaten ins Haus flatterte, direkt ins Altpapier – aber einiges wurde doch zumindest durchgeblättert, in Erwägung gezogen und in manchen Fällen führte dies auch mal zu einer interessanten Entdeckung.

An diese Erfahrung musste ich gestern einmal wieder denken, als ich mir das digitale Quartett ansah, eine Art Online-Talkshow über Netzkultur-Themen. Da wurde ausführlich über Twitter gestritten und was die dort gerade nicht alles tun, um mit ihrem Dienst endlich Geld zu verdienen. In der Diskussion dominierte dabei ganz klar die Sorge darüber, dass Werbung hier alles schlechter machen würde – aber muss das so sein? Ein interessanter Einwurf dazu kam gegen Ende der Diskussion von Nicole Simon, und der ging in eine ganz ähnliche Richtung wie das, was ich oben berichtete. Leider fand dieser Einwurf keinen echten Einfluss mehr in die Diskussion rund um Twitter, deswegen möchte ich dazu hier noch einige Gedanken anhängen.

Auch wenn ich physisch höchstens alle paar Jahre umziehe – gedanklich ziehe ich deutlich öfter um. Damit meine ich, dass die Themen, die aktuell mein Denken dominieren, durchaus häufiger mal wechseln. So kann es durchaus sein, dass ich mehrere Wochen lang häufiger über eine bestimmte Musikrichtung nachdenke, oder auch über Altersvorsorge, einen geplanten Urlaub, ein Buch oder  eines von vielen, vielen anderen Themen, die mich so interessieren.

Dabei ist es oft genug passiert, dass Werbung hier genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Ich klicke tatsächlich häufiger mal auf Suchmaschinen-Anzeigen bei Google, auf Facebook-Ads oder auch auf Banner – natürlich nur, wenn hier irgend etwas angepriesen wird, was mich gerade interessiert.

Das mag banal klingen, aber immer wieder höre ich in öffentlichen oder privaten Diskussionen die Meinung, dass Werbung generell überflüssig ist und maximal als notwendiges Übel zur Finanzierung von netten Online-Diensten oder Print-Veröffentlichungen dienen kann. Das sehe ich ausdrücklich nicht so. Ich mag Werbung – aber natürlich nur, wenn sie gut gemacht ist und zu meinen derzeitigen Interessen passt.

Natürlich gibt es auch haufenweise nervige, ätzende, schlechte Werbung. Ein Großteil der Fernseh- und Radio-Werbung ist für mich kaum erträglich, und auch blinkende Banner-Werbung ist in vielen Fällen wirklich schlimm. Die Konsequenz daraus sollte aber nicht die Ächtung der Werbung generell sein – sondern das Streben nach besserer Werbung.

Und wenn man mal genau schaut, dann gibt es für gute Werbung sogar eine Menge Beispiele: So schauen sich auf YouTube Leute freiwillig millionenfach Fernseh-Werbespots an – weil manche davon eben richtig gut und lustig sind. Und auch Google’s Geschäftsmodell, das zu einem großen Teil auf Suchmaschinenwerbung basiert, wirft nur deswegen Milliarden ab, weil viele, viele Leute tatsächlich freiwillig auf Google-Werbung klicken. Und kennt nicht jeder irgendwen, der mit der Schere am Küchentisch sitzt, um sich die besten Angebote aus Werbeprospekten auszuschneiden? Eben.

Werbung darf ruhig sein, was sie ist. Sie darf wirtschaftliche Interessen vertreten – wenn sie dies nicht verschleiert. Sie darf durchaus auch mal ungefragt kommen – wenn sie zu mir passt. Und sie bekommt gerne etwas von meiner Aufmerksamkeit – aber nur, wenn sie sich das auch verdient. Lautstärke alleine reicht definitiv nicht.

Bild: sh1mmer // CC-by

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1 Kommentar »

  1. Mein Name ist Knitterfee und ich unterstütze diesen Artikel.

    Comment by Knitterfee — 1. Oktober 2012 @ 10:38

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