Permanentes Provisorium


2. Oktober 2011

Mobilität in der Großstadt

Autor: marius – 21:31

Eine Sache, die ich am Leben in der Großstadt sehr schätze, ist Art der Fortbewegung: Fast alle Orte in Köln lassen sich mit dem ÖPNV hervorragend erreichen, für alles in meinem Stadtteil reichen Fahrrad und Füße, für Reisen in andere Städte gibt es die Bahn, und für weitere Strecken oder größere Einkäufe eben das Auto.

Mein Verhältnis zum Auto ist dabei eher kühl: Ich teile mir zwar ein Auto mit meiner Freundin, aber ich habe weder sonderlich große Freude am Autofahren noch ist es mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Das Autofahren macht mir nichts aus, aber wenn es Alternativen gibt, dann bevorzuge ich diese üblicherweise.

Dennoch ist ein eigenes Auto manchmal einfach zu praktisch, um ohne zu leben. Das habe ich ganz eindeutig gemerkt, als letztes Jahr einmal für einige Wochen wegen eines Unfalls kein Auto zur Verfügung stand. Getränkekästen mit dem Fahrrad zu transportieren ist halt doch nicht so schön.

Viel lieber wäre es mir aber eigentlich, gar kein eigenes Auto haben zu müssen, sondern nur hin und wieder bei Bedarf auf eines zurückgreifen zu können. Was würde man sich nicht alles an Kosten, Stress, Reparaturen und sonstigem Ärger sparen!

Mit dieser Einstellung bin ich anscheinend nicht allein: Immer mehr Leute verzichten auf den Führerschein, besonders in den Großstädten. Ich halte das für einen durchaus erfreulichen Trend. Den praktischen Nutzen eines Autos – gerade in ländlichen Regionen – will ich überhaupt nicht anzweifeln. Mit dem angeblichen emotionalen Nutzen (Freude am Fahren, Statussymbol, …) konnte ich dagegen nie sonderlich viel anfangen. Ein Auto ist für mich ganz schlicht eine Maschine, die mich von A nach B bringt – nicht mehr und nicht weniger.

Umso erfreulicher finde ich es, dass es mittlerweile eine ganze Reihe von flexiblen Nutzungsmöglichkeiten für Autos gibt. Ich glaube nicht, dass Autos auf absehbare Zeit komplett verzichtbar werden – aber es ist absehbar, dass sie an Bedeutung verlieren.

Einige clevere Beispiele, die das Auto weniger wichtig machen:

  • Bei Tamyca oder Nachbarschaftsauto.de kann man für kleines Geld Autos von Privatpersonen aus der eigenen Umgebung mieten. Über eine spezielle Versicherung ist dabei auch ein möglicher Unfall abgedeckt. Erinnert mich ein wenig an Airbnb, die dasselbe für Wohnungen machen.
  • Auch kommerzielle Anbieter von Carsharing werden immer beliebter. Hier tummeln sich z.B. die Deutsche BahnCambio und viele andere Anbieter. Aus meinem Bekanntenkreis wohnen einige in der Nähe solcher Stationen und nach dem, was ich so höre, kann man damit durchaus gut leben, wenn man nicht ständig ein Auto braucht.
  • Auch an selbstfahrenden Autos wird längst geforscht, und was ich bisher davon so gesehen habe sieht das schon recht vielversprechend aus. Wenn das mit einem Carsharing-Konzept gekoppelt wird, dann könnte dieser Ansatz sehr erfolgreich werden.

Wenn man nicht nur von der Fortbewegung her denkt, sondern auch die Gründe für das Autofahren etwas mehr ins Auge nimmt, dann kommt man sogar auf noch mehr Möglichkeiten:

So liefert in Köln der Online-Supermarkt Bring24 alle Lebensmittel, die man so braucht, einfach nach Hause. Ich habe das selber schon einmal ausprobiert, und es klappt hervorragend. Ähnliche Konzepte sind z.B. in Großbritannien oder der Schweiz schon gut etabliert, in Deutschland aber eher noch die Ausnahme – aber auch das könnte sich in naher Zukunft ändern

Bei all dem muss ich natürlich zugeben: Ohne eigenes Auto möchte ich heute(!) selber auch noch nicht leben. Die genannten Ansätze sind zwar allesamt vielversprechend, aber entweder noch nicht weit genug entwickelt oder aufgrund meiner Wohnlage für mich nicht praktikabel.

Dennoch lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man wirklich ein eigenes Auto braucht. Selbst ein Kleinwagen kostet pro Monat im Schnitt 385 € – damit dürften die Alternativen auch aus Kostensicht gar nicht mal so unattraktiv sein.

Foto: Birgit Schiffer // www.pfirsichfarben.de

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