Permanentes Provisorium


11. September 2011

Geheimnisreduzierung

Autor: marius – 11:01

Ich nutze nun schon seit vielen Jahren verschiedene Online-Dienste, Social Networks und bin Teil diverser Communities. Dabei habe ich – ohne groß darüber nachzudenken – immer wieder Informationen geteilt. Dabei ging es sowohl um fachliche als auch persönliche Informationen zu verschiedensten Themen.

Ich glaube, mir war dabei unterbewusst schon länger klar, dass das Teilen von Informationen für mich mehr Vorteile hat als die Geheimhaltung.

Wer Informationen teilt, der kann damit Teil einer Gemeinschaft werden. Man erwirbt sich damit Vertrauen in dieser Gemeinschaft, schafft sich Freunde und Verbündete und mit etwas Glück bekommt man im Gegenzug auch andere Informationen, die für einen selber nützlich sein können.

Nicht immer kann ich vorher wissen, welches geteilte Information für welchen Nutzen sorgt. Ich habe aber schon viele Fälle erlebt, wo der Nutzen im Nachhinein ganz klar da war. So führte das Teilen meines aktuellen Aufenthaltsortes auf Facebook schon öfter zu spontanen Treffen mit alten Freunden, die ich länger nicht gesehen habe. Das Teilen von aktuellen Musik-Tipps schaffte Gemeinsamkeiten mit Leuten, mit denen ich vorher nur oberflächlich gesprochen hatte. Und das Teilen der Unzufriedenheit über meinen früheren Frisör führte dazu, dass ich ziemlich schnell eine Empfehlung für einen neuen hatte, mit dem ich bis heute zufrieden bin – und den ich alleine wahrscheinlich nie gefunden hätte.

Auch Firmen profitieren, wenn sie teilen.

Was ich hier auf persönlicher Ebene bemerke scheint z.T. auch für Firmen zu funktionieren. Beispielsweise teilt Frictional Games (eine Spielefirma aus Schweden) regelmäßig Informationen über Verkaufszahlen und den aktuellen Zustand der Firma. Geschadet hat es ihnen nicht, im Gegenteil: Der Firma geht es mittlerweile ziemlich gut. Doch selbst in schwierigen Zeiten hat sich diese Offenheit ausgezahlt und Frictional Games viele treue Unterstützer gebracht.

Ein weiteres schönes Beispiel ist die firma 37Signals, die recht erfolgreich Unternehmens-Software herstellt. Auf deren Blog teilen sie erstaunlich detailliert Informationen über ihre Arbeitsweise und beziehen auch Position zu geschäftlichen Themen. Dies hat durchaus Methode: In dem Buch re:work, das zwei der Gründer geschrieben haben, empfehlen sie ausdrücklich, das eigene Fachwissen als Marketing-Instrument zu verwenden. Denn wer wertvolles Wissen teilt, dem hört man eher zu – und kauft auch lieber von ihm.

Manche Dinge sollten dann doch geheim bleiben…

Natürlich gibt es auch gute Gründe, Geheimnisse zu haben. Über neue Erfindungen sollte man als Firma besser erst dann reden, wenn die dazugehörigen Rechte in trockenen Tüchern sind. Und als Privatperson sollte man sicher auch nicht jedes Partyabenteuer in der Öffentlichkeit breit treten.

Die Frage ist eher, was denn die Grundeinstellung sein sollte. Wie entscheide ich mich im Zweifelsfall?

Wie so oft ist die Antwort hier: Die Mischung macht’s.

Grundsätzlich teile ich persönliche und fachliche Informationen freigiebig und gerne.

Wenn ich etwas nicht teile, dann hat das meistens einen der folgenden Gründe:

  • Irrelevanz:
    Vieles, was ich am Tag so tue, ist einfach so uninteressant, dass es niemand wissen muss. Interessiert es wirklich jemanden, welche Dose Mais ich letztens im Supermarkt gekauft habe? Eben.
  • Spezialisierung:
    Manche Themen interessieren mich deutlich tiefer als den durchschnittlich interessierten Mitmenschen. Wenn ich beispielsweise über Musik rede, dann können das viele nicht mehr nachvollziehen. Deswegen habe ich genau dafür ein Zweitblog, wo ich darüber schreiben kann.
  • Verpflichtung:
    Manchen Leuten verspreche ich, dass ich bestimmte Dinge nicht teile. Im beruflichen Kontext bin ich dazu sogar vertraglich verpflichtet. Natürlich halte ich mich daran.
  • Peinlichkeit:
    Jeder Mensch tut manchmal dumme Sachen – ich natürlich auch. Manches davon ist vielleicht noch lustig genug, dass ich es mal in geselliger Runde bei einem Bierchen teile. Manches behalte ich aber dann doch lieber für mich.
  • Intimität:
    Nein, ihr werdet nie erfahren, was ich mit X, Y und Z  angestellt habe. 😉
Und jetzt interessiert mich natürlich, wie ihr das so handhabt. Erzählt ihr eher alles oder nichts? Und warum?

Bild: Alexkess // CC-by-nc-nd

Category: Alltägliches,Nerdiges Tags: –

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