Permanentes Provisorium


18. August 2011

Der verfluchte Zimmerspringbrunnen

Autor: marius – 21:46

Eigentlich glaube ich nicht an Übersinnliches. Ich glaube zwar an viele Dinge, beispielsweise an wissenschaftliche Erklärungen, das Gute im Menschen oder an die Flauschigkeit von Katzenfell. An Flüche glaube ich aber eigentlich nicht. Eigentlich.

Ein einfacher, kleiner, nicht besonders schöner Zimmerspringbrunnen, den ich bis vor kurzem besaß,  ist hier die große Ausnahme. Denn dieses Ding ist verflucht. Und ja, da bin ich mir sicher – aber das versteht man erst, wenn man seine Geschichte kennt:

Vor einiger Zeit war ich zu Gast auf einer privaten Weihnachtsfeier. Es gab leckeres Essen, nette Leute und eigentlich war es ein richtig schöner Abend. Dummerweise gab es da noch einen Programmpunkt, der sich „Schrottwichteln“ nannte.

Für alle, die das nicht kennen: Schrottwichteln funktioniert im Prinzip wie das normale Weihnachtswichteln. Jeder bringt ein Geschenk mit, das dann jemand anders bekommt. Der Beschenkte darf dabei nicht wissen, wer der Schenker ist. Beim Schrottwichteln gibt es hier noch die zusätzliche Regel, dass der verschenkte Gegenstand nicht für diesen Anlass gekauft worden sein darf. Deswegen verschenkt man hier üblicherweise etwas, das man nicht mehr gebrauchen kann. Müll ist tabu, aber ansonsten ist dies eine gute Gelegenheit um all das Zeug loszuwerden, das man irgendwann mal geschenkt bekommen hat, aber eigentlich nie wirklich wollte.

Auf jeden Fall bekam ich dabei diesen Zimmerspringbrunnen. Im ersten Moment musste ich lachen: Ein 15 Kilo schwerer, unbenutzter Zimmerspringbrunnen aus Natursteinimitat nimmt schon einen recht hohen Platz in der Liga der absurdesten Geschenke ein. Ich nahm ihn also mit nach Hause – natürlich in der festen Absicht, ihn nicht zu benutzen.

Da stand er nun in seinem Karton, und auch die Zeit machte ihn nicht schöner. Ich beschloss also das zu tun, was kluge Internetmenschen normalerweise mit solchem Zeug tun: Ich stellte ihn bei eBay ein.

Als die ersten Gebote eintrudelten rieb ich mir schon die Hände. Zwar würde ich hiermit kein großes Geschäft machen, aber ich wäre den hässlichen Klotz endlich los. Am Ende stand das Gebot bei 3,60 € und ich wollte eigentlich gerade den Versand vorbereiten – als ich sah, dass meine Freundin die Höchstbietende war.

Etwas zerknirscht gestand sie mir, dass sie eigentlich nur den Preis etwas in die Höhe treiben wollte und dabei den Brunnen versehentlich ersteigert hat. Naja, da kann man nichts machen. Ich gratulierte ihr zu der erfolgreichen Auktion und stellte ihr den Brunnen vor die Füße. Von nun an sollte er nicht mehr mein Problem sein…..dachte ich….

Denn natürlich konnte auch sie nichts mit dem Brunnen anfangen. Und so einigten wir uns darauf, dass er einfach auf dem nächsten Sperrmüll landen sollte. Diesen meldeten wir an, stellten alte Möbel und allerlei überflüssiges Zeug nach draußen…und vergaßen natürlich den Zimmerspringbrunnen.

Zu diesem Zeitpunkt fing ich an, an einen Fluch zu glauben.

Doch die Geschichte hat ein gutes Ende: Als ich die Story bis hierhin beiläufig einem Kollegen erzählte fiel ihm sofort etwas ein, wie ich den Springbrunnen loswerden könnte. Eine Kollegin habe doch demnächst Geburtstag, und es wäre doch lustig, ihr aus Spaß den Zimmerspringbrunnen zu schenken. Dazu muss man wissen, dass die Kollegin bekanntermaßen einen grünen Daumen hat und allerlei Zimmerpflanzen ihren Schreibtisch schmücken. Da würde so ein Zimmerspringbrunnen doch bestimmt perfekt hinein passen…

Das klingt ein wenig gemein, aber natürlich bekam sie zusätzlich noch ein richtiges Geschenk. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Fluch nun gebrochen ist. Der Brunnen steht nun auf ihrem Schreibtisch und ich muss sagen: So schlecht sieht er dort gar nicht aus.

Vielleicht ist das ein bisschen wie im Märchen: Ein Fluch, der aus Schabernack geboren wurde, kann nur durch erneuten Schabernack gebrochen werden. Damit wäre der Fluch nun aufgehoben – und vielleicht plätschert der Zimmerspringbrunnen noch viele Jahre lustig vor sich hin.

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