Permanentes Provisorium


15. Juli 2011

Kostenlos?

Autor: marius – 16:56

Wir sind es gewohnt, für einige Dinge Geld zu bezahlen, für andere dagegen nicht.

Normal ist es, dass Atemluft umsonst ist, Nahrungsmittel jedoch nicht. Daran haben wir uns gewöhnt, und wir verteidigen diese Gewohnheiten. Wir werden misstrauisch, wenn uns jemand etwas schenken will, was normalerweise Geld kostet, und wir werden wütend, wenn etwas Geld kostet, was normalerweise umsonst ist.

Kürzlich wollte ich etwas verschenken, für das man normalerweise bezahlt. Einige Freunde haben mich gefragt, ob ich ihnen erklären kann, wie man auf Facebook erfolgreich Werbung z.B. für eigene Veranstaltungen machen kann. Da ich mich mit dem Thema auskenne habe ich gerne zugestimmt. Es war wenig Arbeit für mich und für alle Beteiligten ein interessanter und unterhaltsamer Abend.

Etwas gewundert hat mich allerdings die Reaktion einiger Leute, denen ich davon erzählt habe. Einige fragten mich, ob ich Geld dafür haben möchte. Manche witterten sogar eine meldepflichtige Nebentätigkeit. Und eine Frau, die ich kaum kenne, fragte mich sogar, ob ich stattdessen nicht eine individuelle Beratung auf Auftragsbasis anbieten könnte. Das große Missverständnis dabei: Ich wollte gar kein Geld. Ich wollte nur mein Wissen teilen, weil ich es gerne tue. Ich habe jetzt gelernt, dass man sich damit bei manchen Leuten verdächtig macht.

Wenn man mal überlegt, was eigentlich ganz allgemein „umsonst“ und was „kostenpflichtig“ ist, dann stellt man schnell fest, dass die Grenze ziemlich willkürlich verläuft:

So parkt man an manchen Stellen sein Auto für umsonst, während es an anderen Stellen Automaten gibt, die Parktickets verkaufen.
Das Buch „Free“ kann man zwar umsonst als Audiobook herunterladen – die eBook-Variante dagegen kostet Geld. Beim „Rheinkultur„-Festival kann ich viele Bands für umsonst sehen, für die ich anderswo bezahlen müsste. Von solchen Beispielen findet man eine Reihe.

Man könnte versuchen, hier eine innere Logik zu suchen. Ich fürchte jedoch, man wird keine finden. Das sieht man auch an Vergleichen zwischen verschiedenen Ländern: Beispielsweise kostet die Nutzung deutscher Autobahnen für PKWs nichts – in der Schweiz muss man dafür eine Vignette kaufen.

Interessant finde ich all das, weil es mal wieder zeigt, wie sehr wir an unseren Gewohnheiten kleben. Gerade der Umgang mit Geld ist für viele Leute etwas, was man so rational wie möglich behandeln sollte – aber selbst die Trennung zwischen „umsonst“ und „kostenpflichtig“ ist eine höchst willkürliche Grenze. Wie soll man da noch vernünftig mit Geld umgehen, wenn das Geld selbst so unvernünftig ist?

Foto: Joe Shlabotnik // CC-by-nc-sa

Category: Geschäftliches,Kulturelles Tags: –

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