Permanentes Provisorium


3. Juli 2011

Materialismus für Fortgeschrittene

Autor: marius – 21:59

Zeug

Wie bei den meisten Leuten hat sich auch bei mir über die Jahre eine Menge Zeug angesammelt. Das meiste davon wollte ich zu irgendeinem Zeitpunkt mal wirklich haben. Blöderweise heisst das nicht, dass ich es heute immer noch haben will.

Viel von dem, was hier so rumliegt, ist nämlich leider ziemlich nutzlos. Viele Bücher, die ich gelesen habe, fand ich zwar vielleicht mal spannend, werde sie aber mit großer Sicherheit nicht noch einmal lesen. Schuhe, die ich vor 5 Jahren mal toll fand, gammeln jetzt in irgendeiner Kiste im Keller herum. Und selbst meine geliebte Vinyl-Schallplattensammlung besteht zu einem großen Teil aus Staubfängern.

Natürlich gibt es auch ein paar Dinge, die mir durchaus etwas bedeuten. Ich bin sicher kein reines Geistwesen, das auf irdische Dinge keinen Wert legt. Ich will schon Zeug haben – nur halt etwas weniger. Leider ist das aus verschiedenen Gründen gar nicht so einfach.

Zeug bekommen ist eigentlich ganz einfach. Man klickt ein bisschen im Internet rum und ein paar Tage später klingelt der Postbote und bringt das Zeug, das man bestellt hat. Zeug loszuwerden ist dagegen schon schwieriger.

Richtig altes, kaputtes, nutzloses Zeug ist dabei noch nicht mal das Problem, das schmeisse ich mittlerweile ohne mit der Wimper zu zucken weg. Auch Sperrmüll kann man mittlerweile problemlos online anmelden.

Schwieriger sind da aber die Dinge, die im Prinzip schon noch einen Wert haben, ich sie aber beim besten Willen nicht mehr gebrauchen kann. Hier gibt es schon viele Möglichkeiten, die Sachen weg zu bekommen – wobei der innere Schweinehund meistens der größte Feind ist. Zeug loszuwerden fühlt sich halt erst einmal nicht so sehr nach Belohnung an wie Zeug bekommen.

Das ist einer der vielen Gründe, warum ich die ganze Digitalisierung der Medien so sympathisch finde: Man hat das Zeug einfach nicht mehr rumstehen.

Natürlich ist es irgendwie schön, eine gebundene Ausgabe von „Herr der Ringe“ im Regal stehen zu haben. Aber seien wir mal ehrlich: Die wenigsten Bücher sind so gut wie der „Herr der Ringe“. Einmal lesen reicht meistens völlig.

Auch bei Musik ist mir die Datei mittlerweile deutlich lieber als die CD im Regal. Eine Datei kann ich sofort per Suchfunktion finden, jederzeit anhören, sofort auf mein Handy kopieren, in die Cloud syncen und viel mehr. Bei einer CD ist da immer noch mindestens ein Schritt dazwischen.

Ein Kollege von mir hat mal gesagt: Die eigenen Besitztümer sind wie ein Gas, das den vorhandenen Raum vollständig ausfüllt – egal, wie groß der Raum ist. Wäre es nicht viel schöner, wenn man selber entscheidet, wie viel Zeug man eigentlich haben möchte?

Eine gute Idee dazu ist übrigens die 100 Thing Challenge, bei der man seine Besitztümer auf 100 Dinge beschränkt. Klingt erst einmal radikal – täte aber wahrscheinlich gar nicht mal so weh wie es zunächst klingt.

 

Category: Alltägliches,Nerdiges Tags: –

1 Kommentar »

  1. Ich kann einfach nicht anders und muss meinen Senf dazugeben 😉
    Deine Idee ist schön, einfach mehr Platz zu haben. Das kann ich nach meinem gerade vollzogenen Umzug verstehen. Mehr Mut Dinge wegzuwerfen.
    Du sprichst den Herrn der Ringe an. Gibt es nicht viele Dinge, die wie der Herr der Ringe sind? Das aus alten Dosen gemachte Flugzeug, das dir jemand im Urlaub geschenkt hat, dein erstes Nummernschild, das „wichtige“ Souvenir, etc.

    Mein Problem sind die vielen kleinen Dinge die einen Wert haben. Die man nicht wegschmeißen will weil man sie den Enkelkindern zeigen möchte.

    Für mich persönlich gibt es nur eine Lösung. Ab in die „wichtige“ Kiste und in den Keller damit.
    Was aber wenn der Keller voll ist??? Das müsste man doch auch irgendwie digitalisieren können. Eine Art Hologramm der Erinnerung. Kommt bestimmt auch bald von Apple … iRemember

    Irgendwie fange ich an Messis zu verstehen….

    Comment by Konstantin — 5. Juli 2011 @ 22:11

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