Permanentes Provisorium


1. Januar 2014

Der computerisierte Pizza-Unfall

Category: Alltägliches,Nerdiges – Author: marius – 19:38

Heute ist Neujahr, und bereits gestern Abend habe ich angekündigt: Die einzige Person, der ich heute die Tür öffne, wird der Pizzabote sein. Ansonsten bleibe ich auf der Couch.

Meinen ersten Vorsatz für das neue Jahre habe ich damit direkt schon umgesetzt – doch auch so etwas Alltägliches kann schief gehen.

Etwa eine halbe Stunde nach der Bestellung klingelte das Telefon: Der Pizzabote war dran und wollte wissen, warum ich nicht zu Hause sei. Ich versicherte ihm, dass ich zu Hause bin und nach einigem hin und her fragte er, ob er die richtige Adresse habe. Dabei stellte sich dann der Irrtum heraus: Ich bin vor kurzem umgezogen und er hatte noch die alte Adresse auf seinem Lieferschein stehen. So etwas kann natürlich passieren, und einige Minuten später hatte ich dann auch meine Pizza.

Interessant war aber der Grund für diesen Fehler: Ich hatte die Pizza über die Webseite des Lieferdienstes bestellt und dort meine Telefonnummer angegeben. Natürlich habe ich dabei die neue und damit korrekte Adresse angegeben. Dies stand auch in der Bestätigungs-Mail. In der internen Datenbank der Lieferdienstes war aber noch meine alte Adresse gespeichert – und dieser Eintrag war mit meiner Telefonnummer verbunden. Das System hat also die Adresse, die ich eingegeben habe, gar nicht beachtet, sondern nur nach der Telefonnummer geschaut den Pizzaboten dann an die alte Adresse geschickt. Ich konnte das aber natürlich nicht wissen, denn in der E-Mail stand eben die korrekte Adresse.

Auch dies ist noch nicht wirklich schlimm. Ein harmloser Computer-Fehler, wie er tagtäglich passieren kann. Gruselig wird es allerdings, wenn ich mir vorstelle, dass so etwas nicht nur beim Pizza-Bringdienst passieren könnte, sondern vielleicht auch deutlich unangenehmere Leute aus den falschen Gründen vor meiner Tür stehen könnten. Es ist leider nicht so, als ob so etwas nicht schon vorgekommen wäre

 

17. Oktober 2013

Geht ein Feuerwehrmann in den Supermarkt…

Category: Alltägliches – Author: marius – 21:32

feuerwehr

Nein, die Überschrift ist kein Witz, sondern einfach nur eine alltägliche Szene, die ich beobachtet habe. Als ich kürzlich samstags zum Supermarkt meines Vertrauens fuhr stand direkt neben dem Gebäude ein großes Löschfahrzeug – sonst war aber nichts zu sehen.

Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss: Oh nein! Feuer im Supermarkt? Oder vielleicht eine andere Katastrophe? Eine Überflutung vielleicht? Kann ich hier heute noch einkaufen gehen? Oder wird der Laden vielleicht sogar länger geschlossen?

Ich fuhr näher an den Wagen heran und sah gerade noch einen Feuerwehrmann mit einem Einkaufswagen, der gerade den Supermarkt betrat – na klar, auch die Feuerwehr muss mal einkaufen. Sind doch auch nur Menschen.

Ich fühlte mich innerlich ein wenig ertappt, denn ich hatte eine komplett harmlose Szene für eine Gefahr gehalten. Aber ist das wirklich so abwegig? Meistens stehen Feuerwehrautos eben doch neben brennenden Gebäuden, überfluteten Kellern oder schwer verunglückten Autos.

Ich habe dieses Gefühl öfter mal in der Nähe von Leuten, die eigentlich für Sicherheit da sind. Die Anwesenheit von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst oder Security-Kräften steht nicht nur für Sicherheit, sondern zeigt auch, dass hier potentiell eine Gefahr droht. Klar weiss ich, dass all diese Leute eine wichtige Funktion erfüllen und ich bin grundsätzlich froh, dass es sie gibt. Aber die Symbolkraft von Kleidung wird in solchen Situationen eben besonders deutlich.

Manchmal hat so etwas aber  auch eine humorvolle Komponente: Neulich kam ich auf dem Weg zur Arbeit an einem kleinen Unfall vorbei. Nichts schlimmes, es hatte lediglich ein LKW einen (teuer aussehenden) BMW touchiert und eine kleine Beule hinterlassen. Die Insassen schienen unverletzt zu sein, und der Verkehr schlängelte sich träge um die Stelle herum. Neben dem BMW standen die beiden Insassen des Wagens – zwei Manager in dunklen Anzügen und weißen Hemden, die konzentriert auf ihren Smartphones herumdrückten. Feuerwehr, Polizei oder ähnliche Sicherheitskräfte suchte man vergebens – aber wenn Manager anwesend sind, dann ist natürlich alles in bester Ordnung…

Bild: Feuerwehr Bruchköbel // CC-by-nc-sa

27. Februar 2013

Computerspiele im Nostalgietest

Category: Nerdiges – Author: marius – 21:40

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Im vergangenen Urlaub in Kalifornien hatte ich die Gelegenheit zu einem nostalgischen Ausflug: In einer Spielhalle in Santa Cruz gibt es eine erlesene Sammlung von alten Videospiel-Automaten-Klassikern, und praktischerweise war ich in nerdiger Begleitung unterwegs – also ran an die Automaten!

Es gab dort wirklich alles, was man so an Videospiel-Klassikern aus den frühen 80ern kennt: Pac Man, Donkey Kong, Tetris, Space Invaders, Phoenix, Q-Bert und vieles mehr. Natürlich gab es dort auch moderne Videospielautomaten, aber die waren erst einmal egal.

Dazu muss man wissen, dass ich durch diese Spiele meine erste Berührung mit Computertechnik hatte. Ich war vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, da fand man mich regelmäßig bei den Nachbarn, wo ich deren Atari 2600 malträtierte. Auch mein älterer Cousin hat mich früh in die Faszination von Computerspielen eingeführt, und nicht viel später hatte ich dann auch meinen ersten Commodore-Computer zu Hause. Man mag das als reine Spielerei abtun, und das war es sicher auch, aber die Spiele haben für mich rückblickend schon eine wichtige Bedeutung gehabt: Sie haben mir früh die Scheu vor der digitalen Technik genommen und meine Begeisterung geweckt, sie brachten mich mit ähnlich interessierten Freunden zusammen und auch meine technischen Fähigkeiten wurden so schon früh geschult – man musste sich bei technischen Probleme ja irgendwie selber zu Helfen wissen.

Es ist faszinierend, diese alten Spiele heute noch einmal zu spielen. Ich erinnerte mich an meine frühe Faszination als Kind und Jugendlicher, dachte an meine ersten Erfahrungen zurück und genoss natürlich auch einfach das Spielerlebnis. Die alten Spiele haben dabei einen ganz besonderen Charme, denn das Spielprinzip ist häufig sehr, sehr simpel. Meistens geht es darum, irgendeinem Pixelhaufen auszuweichen und gleichzeitig auf irgendeinen anderen Pixelhaufen loszurennen oder zu schießen. Ich war sofort wieder drin.

Eine andere Erkenntnis brauchte dagegen etwa eine halbe Stunde Spielzeit, bis sie bei mir ankam: Diese alten Spiele sind eigentlich schon zu simpel. Es gibt meistens nur ein Spielprinzip, und die Spiele werden einfach immer schneller und schwerer bis irgendwann das unvermeidliche “Game Over” auf dem Bildschirm erscheint. Das macht eine Weile lang Spass, aber wird irgendwie doch schnell langweilig. Warum hat mich das früher eigentlich stunden- und tagelang gefesselt, wo es mir heute schon nach einer halben Stunde auffällt?

An diesem Punkt begann ich, den Rest der Spielhalle zu erkunden. Die Ecke mit den Videospiel-Klassikern belegte vielleicht 10% der gesamten Fläche, und es gab noch viel, viel mehr zu entdecken: Rennsimulationen mit echten Motorrädern, die sich durch Gewichtsverlagerung steuern ließen. Virtual Reality-Spiele, die mit einem speziellen Helm gespielt wurden. Musik- und Kampfsportspiele, Filmadaptionen und Geldspielautomaten und noch vieles mehr. Alle davon hatten deutlich beeindruckendere Grafik, einige hatten sogar so etwas wie Handlung und manche Spiele waren auch nur durch ihre ungewöhnlichen Eingabegeräte interessant. Nicht alles davon war toll, aber vieles davon machte wirklich Spass – und fesselte mich deutlich länger als die Klassiker.

Ich dachte dabei darüber nach, was ich denn in den letzten Jahrzehnten so alles an Computerspielen mitbekommen hatte. In den 90ern faszinierten mich die klassischen Adventure-Games (Maniac Mansion, Monkey Island), die ersten Ego-Shooter (Doom, Quake), vereinzelte Rollenspiele (Dragonlance) und natürlich diverse Simulationen, Puzzlespiele und Jump&Run-Games. In den letzten Jahren habe ich Action-Adventures für mich entdeckt, die teilweise mit kinoreifen Stories glänzen (z.B. Mass Effect, Assassin’s Creed, Red Dead Redemption). Computerspiele sind weit gekommen, seit ich mich das erste Mal mit ihnen beschäftigt habe.

Und irgendwo hier hörte dann tatsächlich meine anfängliche Nostalgie auf.

Es war schön, noch einmal all die alten Spiele gespielt zu haben. Sie waren irgendwann mal wichtig für mich und ich denke gerne an sie zurück. Aber würde ich die heutigen Spiele gegen die von vor 20 Jahren eintauschen? Oder auch nur gegen die von vor 5 oder 10 Jahren? Definitiv nicht.

videospiele

 

2. November 2012

Facebook und die Aufmerksamkeits-Ökonomie

Category: Geschäftliches,Kulturelles,Nerdiges – Author: marius – 18:44

Aktuell regen sich mal wieder viele Leute über Facebook auf. Stein des Anstoßes ist dieses Mal nicht das Thema Datenschutz, sondern die von Facebook immer stärker forcierte Möglichkeit, einzelne Beiträge gegen Bezahlung hervorzuheben und ihnen eine größere Sichtbarkeit zu verschaffen. Das betrifft sowohl Seitenbetreiber als auch Privatpersonen.

Das wird von vielen als ärgerliche Abzocke empfunden, und auch die von mir sehr geschätzten Blogrebellen haben ihrem Ärger kürzlich in einem längeren Beitrag Luft gemacht - dort gibt es auch einen kleinen Kommentar von mir zu dem Thema.

Ich finde die Aufregung um dieses Thema nur teilweise berechtigt, aber leider werden die Details der Problematik nur selten genannt.

Zum einen muss man natürlich feststellen, dass Facebook ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, das den Großteil seiner Services allen Nutzern kostenfrei zur Verfügung stellt – und daher natürlich mit anderen Services Geld verdienen muss. Das ist natürlich ein Argument, aber selbst, wenn man das einsieht, so führt das immer noch nicht unbedingt zu Sympathie für Facebooks Ansatz.

Werbung ist nicht das Problem

Wie ich zuvor schon mal geschrieben habe stört mich Werbung im Grunde nicht sonderlich – und auch wenn mir dazu keine repräsentativen Zahlen vorliegen, so vermute ich doch stark, dass die meisten Menschen sich mit relevanter, nicht zu aufdringlicher Werbung gut arrangieren können. Es ist also kein grundsätzliches Problem, dass Facebook Werbung zulässt.

Mein Eindruck ist, dass sich viele aber deswegen betrogen fühlen, weil sie plötzlich für etwas bezahlen müssen, was sie vorher – zumindest gefühlt – umsonst bekommen haben: Die Aufmerksamkeit ihrer Freunde und Fans. Und genau hier liegt zugleich ein großes Missverständnis bei den Nutzern wie auch eine Herausforderung, die Facebook lösen muss.

Aufmerksamkeit kann man sich verdienen – oder kaufen

Im Internet kann grundsätzlich jeder mit vergleichsweise geringem Aufwand und geringen Kosten etwas veröffentlichen. Das gleiche gilt auch für Facebook und ebenfalls für viele weitere Plattformen. Sich einen persönlichen Account bei Facebook einzurichten oder eine Facebook-Seite aufzusetzen dauert erst einmal nur ein paar Minuten.

Das hat zur Folge, dass immer mehr Leute eben genau das auch tun. Die Möglichkeit, etwas zu veröffentlichen ist damit – im Gegensatz zu klassischen Medien – so günstig geworden, dass man nicht mehr groß darüber nachdenken muss, ob man etwas veröffentlicht oder nicht. Man tut es einfach.

Genau das führt aber zu einer großen Menge an Inhalten, die kein Mensch mehr wirklich überblicken kann. Deswegen setzt Facebook ein Verfahren namens Edgerank ein, das bestimmt, welche Beiträge man sieht und welche nicht. Ganz grob gesagt zeigt Facebook einem besonders Inhalte von den Seiten und Personen an, deren Beiträge häufig geliked oder kommentiert wurden. Facebook sieht liken und kommentieren als Indikator für Relevanz an – man bestimmt also indirekt selber, wovon man mehr sehen möchte und wovon weniger.

Darüber hinaus können Seitenbetreiber oder Personen eben auch durch Bezahlung dafür sorgen, dass ihre Beiträge oder Seiten gesehen werden. Man kann sich Aufmerksamkeit also entweder durch besonders beliebte Inhalte verdienen, oder eben bezahlen.

Dass man sich Aufmerksamkeit verdienen muss ist leider auch im Jahre 2012 für viele immer noch eine neue Erkenntnis. Ich höre immer wieder von Leuten, die gerade ihre erste Webseite gelauncht haben, dass sie ganz verwundert sind, weil sich niemand ihre schöne, neue Seite ansieht. Dass es nicht reicht, etwas zu veröffentlichen, sondern dass man sich schon auch aktiv darum kümmern muss, gesehen zu werden, ist vielen noch neu.

Ohne Filter geht es nicht

Facebook bot da lange Zeit eine Lösung, mit der man dies scheinbar umgehen konnte. Solange nur wenige wussten, wie man eine Facebook-Seite erstellt, und solange die meisten Leute auch nur Verbindungen zu ein paar dutzend Freunden und Seiten hatten war dies auch tatsächlich so. Mittlerweile haben viele Nutzer aber hunderte von Facebook-Freunden und dazu noch eine ähnlich große Zahl an Seiten, die sie verfolgen.

Würde Facebook die Beiträge all dieser Freunde und Seiten einfach ungefiltert zeigen, so würde sich kein Nutzer mehr dort zurechtfinden. Irgendeine Art von Filter muss es also geben – und Facebook hat sich eben für eine Mischung aus Relevanzkriterien und Anzeigen entschieden.

Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource

Das ist keine neue Idee. Suchmaschinen wie Google arbeiten mit einer ähnlichen Kombination – und das höchst erfolgreich. Dies verdeutlicht aber, dass die wahre Herausforderung, die diese Plattformen lösen müssen, die Verteilung des knapper werdenden Gutes “Aufmerksamkeit” ist.

Jeder Mensch kann seine Aufmerksamkeit nur begrenzt vielen Themen widmen. Technische Systeme wie Facebook oder Google helfen uns, unsere Aufmerksamkeit effizienter einzusetzen, und auch ein Großteil der klassischen Journalismus-Arbeit besteht darin, das Relevante vom Irrelevanten zu trennen.

Der Kampf um Aufmerksamkeit ist der wahre Verteilungskampf, der sich hier abspielt. Ich kann 2 Minuten meiner Zeit ENTWEDER einem interessanten Blog-Artikel  widmen ODER mich über ein neues Produkt informieren – nicht aber beides gleichzeitig. Beides kann irgendwie wichtig für mich sein – oder eben auch nicht.

Dieses Grundproblem wurde bereits vor mehreren Jahren als Aufmerksamkeitsökonomie (“Attention Economy”) identifiziert. Wer dazu mehr wissen möchte, der findet bei ReadWriteWeb einen guten Artikel zu dem Thema.

Dieses Problem kann jede erfolgreiche Plattform nur lösen, indem sie auf die eine oder andere Weise Informationen filtert. Das kann man je nach Standpunkt als Zensur oder als nützliches Feature sehen – ganz ohne Filter geht es aber kaum. Auch die zahlreichen Umwege, mit denen die “Fans” einer Seite wieder alle Beiträge der Seite sehen können, helfen aus diesem Grund nur begrenzt weiter.

Facebook muss eine Lösung finden – sonst tut es jemand anders

Deswegen ist es nicht ganz fair, Facebook allein die Schuld in die Schuhe zu schieben. Facebook muss natürlich Geld verdienen, und als erfolgreiche Plattform ist auch eine Filterung unumgänglich. Dennoch möchte ich Facebook nicht komplett in Schutz nehmen, denn sie haben sehr wohl die Aufgabe, ihre Filter so zu gestalten, dass sie die Interessen ihrer Nutzer auch tatsächlich treffen und dabei auch noch möglichst transparent und verständlich sind.

Manuelle Filtereinstellungen klingen in der Theorie zwar super, dürften aber 90% der Nutzer überfordern. Likes und Kommentare können befördern, dass man mehr von dem sieht, was man geliked oder kommentiert hat – aber sie sind eben (mehr oder weniger) öffentlich, und nicht jeder möchte (verständlicherweise) in aller Öffentlichkeit zu dem stehen, was ihn so interessiert. Vielleicht fehlt also nur eine Kleinigkeit: Sowas wie ein “Mehr davon!”-Button, der zwar die eigenen Filter anpasst, aber dies nicht gleich für alle sichtbar macht.

Vielleicht finden es in ein paar Jahren aber auch alle ganz normal, dass man sich Aufmerksamkeit eben kaufen muss – schließlich war das in den “alten” Medien ja auch so. Ich hoffe jedoch, dass Facebook einen besseren Weg findet – ansonsten wird dies früher oder später eben jemand anderes tun.

Bild: Dave Duarte // CC-by-sa

28. Oktober 2012

Dinge loswerden im Internet

Category: Alltägliches,Geschäftliches – Author: marius – 23:23

Ich denke seit einiger Zeit darüber nach, was ich von den Dingen, die ich derzeit besitze, auch wirklich haben will. Vom Gedanken zur Tat dauert es natürlich immer eine Weile, aber in den letzten Wochen habe ich damit begonnen, ein paar Dinge zu verkaufen, zu verschenken oder auch wegzuwerfen, die ich wirklich nicht mehr brauche.

Dazu gehören z.B. mein altes iPhone, ein CD-Regal, viele CDs und Bücher, ein paar Xbox-Spiele und mehr. Alles in allem sind das noch überschaubare Mengen, aber der Anfang ist gemacht, und es fühlt sich erstaunlicherweise echt gut an, sich von Ballast zu befreien.

Beim ganz praktischen Loswerden von Dingen ist das Internet eine große Hilfe. Der Klassiker dafür ist natürlich eBay, wo ich auch schon einiges verkauft habe. Durch die Verkaufsaktionen der letzten Wochen habe ich mich noch einmal mit dem Thema beschäftigt und gemerkt, dass je nach Art des zu verkaufenden Gegenstands ganz andere Plattformen eBay in der ein oder anderen Hinsicht durchaus überlegen sind.

Hier drei Beispiele aus eigener Erfahrung:

  • Verkaufen bei Amazon: Heute Nachmittag habe ich mein altes iPhone zum Verkauf bei Amazon eingestellt – 4 Stunden später war es weg, für einen durchaus guten Preis. Ich musste lediglich den Zustand des Gerätes bewerten, eine kurze Beschreibung verfassen und einen Preis festsetzen. Bei eBay hätte ich dafür eher so zwischen 3 und 10 Tagen gebraucht, hätte Fotos machen und ein Auktionsprofil ausfüllen müssen. In Zukunft werde ich mich häufiger fragen, ob ich das wirklich tun sollte.
  • Medienverkauf über RebuyBei CDs und Büchern lohnt es sich häufig nicht, diese einzeln zu verkaufen. Wenn man nicht gerade etwas Seltenes verkauft, dann bekommt man über die gängigen Online-Shops häufig sogar weniger als einen Euro pro verkaufter CD oder Taschenbuch – dafür lohnt sich der ganze Aufwand mit dem Versand kaum. In so einem Fall ist Rebuy echt praktisch: Über die angebotene Smartphone-App scannt man die Barcodes der Artikel ein, bekommt direkt den Ankaufpreis angezeigt und kann sich am Ende direkt auch kostenlos den Versandschein ausdrucken. Zugegeben, viel Geld pro Medium bekommt man hier auch nicht, aber wenn man viel auf einmal loswerden möchte und das Zeug ohnehin nur ungenutzt rumliegt, dann ist das sicher besser als es noch ein paar Jahre länger rumliegen zu lassen. Der ganze Prozess kostete mich für 72 Artikel ca. 3 Stunden (zum Sortieren und Barcode scannen) und nach ca. einer Woche hatte ich das Geld.
  • Vinyl-Verkauf über DiscogsAuch bei Vinyl-Schallplatten habe ich einige, die ich wirklich nicht mehr höre. Das Problem liegt hier ähnlich wie bei den CDs: Die meisten Scheiben haben einen Verkaufswert, der so klein ist, dass sich ein Einzelverkauf kaum lohnt. Für die Platten, die aber noch etwas mehr wert sind, lohnt sich der Verkauf über Discogs, einen spezialisierten Marktplatz für Vinyl-Sammler, aber schon. Schön ist hier, dass der Service international aufgestellt ist. So kann man auch EU-weit (oder gar weltweit, wenn man möchte) potentielle Kunden finden. Ich habe hier zwar noch keine Massen verkauft, aber in den Fällen, wo ich es gemacht habe, hat das problemlos funktioniert.

Jahrelang habe ich eigentlich nur bei eBay verkauft und durchaus auch eine Menge gekauft. Ich halte das Auktionsmodell nicht für schlecht, aber die richtigen Schnäppchen macht man bei eBay schon seit Jahren nur noch in Ausnahmefällen. Bei Nischenartikeln oder unbekannten Marken mag man Glück haben, aber bei vielen anderen ist der Verkauf über eBay doch recht aufwendig in der Aufbereitung – und auch als Käufer geht es mir mittlerweile eher auf den Keks, dass ich ein Produkt nur vielleicht bekomme.

Dass Auktionen nicht immer das ideale Modell sind hat mittlerweile wohl auch eBay selber erkannt. Mit eBay Sofortverkauf bietet man dort beispielsweise einen Service, der es einem ohne Auktionen erlaubt, Elektrogeräte zu verkaufen. Das letzte Wort in Sachen “Dinge loswerden im Internet” ist sicher noch lange nicht gesprochen.

1. Oktober 2012

Ich mag Werbung.

Category: Allgemein – Author: marius – 09:32

Wenn man umzieht – was bei mir vor etwa 3 Jahren der Fall war – dann muss man sich ein Stück weit neu orientieren. Man weiss zunächst noch nicht, wo es die leckersten Brötchen gibt, wo die nächste Reinigung ist und in welchen Baumarkt man am besten fährt.

Genau aus diesem Grund haben wir das “Bitte keine Werbung”-Schild am Briefkasten, das dort noch vom Vormieter klebte, direkt am Anfang entfernt. Natürlich wanderte viel von dem, was in den anschließenden Wochen und Monaten ins Haus flatterte, direkt ins Altpapier – aber einiges wurde doch zumindest durchgeblättert, in Erwägung gezogen und in manchen Fällen führte dies auch mal zu einer interessanten Entdeckung.

An diese Erfahrung musste ich gestern einmal wieder denken, als ich mir das digitale Quartett ansah, eine Art Online-Talkshow über Netzkultur-Themen. Da wurde ausführlich über Twitter gestritten und was die dort gerade nicht alles tun, um mit ihrem Dienst endlich Geld zu verdienen. In der Diskussion dominierte dabei ganz klar die Sorge darüber, dass Werbung hier alles schlechter machen würde – aber muss das so sein? Ein interessanter Einwurf dazu kam gegen Ende der Diskussion von Nicole Simon, und der ging in eine ganz ähnliche Richtung wie das, was ich oben berichtete. Leider fand dieser Einwurf keinen echten Einfluss mehr in die Diskussion rund um Twitter, deswegen möchte ich dazu hier noch einige Gedanken anhängen.

Auch wenn ich physisch höchstens alle paar Jahre umziehe – gedanklich ziehe ich deutlich öfter um. Damit meine ich, dass die Themen, die aktuell mein Denken dominieren, durchaus häufiger mal wechseln. So kann es durchaus sein, dass ich mehrere Wochen lang häufiger über eine bestimmte Musikrichtung nachdenke, oder auch über Altersvorsorge, einen geplanten Urlaub, ein Buch oder  eines von vielen, vielen anderen Themen, die mich so interessieren.

Dabei ist es oft genug passiert, dass Werbung hier genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Ich klicke tatsächlich häufiger mal auf Suchmaschinen-Anzeigen bei Google, auf Facebook-Ads oder auch auf Banner – natürlich nur, wenn hier irgend etwas angepriesen wird, was mich gerade interessiert.

Das mag banal klingen, aber immer wieder höre ich in öffentlichen oder privaten Diskussionen die Meinung, dass Werbung generell überflüssig ist und maximal als notwendiges Übel zur Finanzierung von netten Online-Diensten oder Print-Veröffentlichungen dienen kann. Das sehe ich ausdrücklich nicht so. Ich mag Werbung – aber natürlich nur, wenn sie gut gemacht ist und zu meinen derzeitigen Interessen passt.

Natürlich gibt es auch haufenweise nervige, ätzende, schlechte Werbung. Ein Großteil der Fernseh- und Radio-Werbung ist für mich kaum erträglich, und auch blinkende Banner-Werbung ist in vielen Fällen wirklich schlimm. Die Konsequenz daraus sollte aber nicht die Ächtung der Werbung generell sein – sondern das Streben nach besserer Werbung.

Und wenn man mal genau schaut, dann gibt es für gute Werbung sogar eine Menge Beispiele: So schauen sich auf YouTube Leute freiwillig millionenfach Fernseh-Werbespots an – weil manche davon eben richtig gut und lustig sind. Und auch Google’s Geschäftsmodell, das zu einem großen Teil auf Suchmaschinenwerbung basiert, wirft nur deswegen Milliarden ab, weil viele, viele Leute tatsächlich freiwillig auf Google-Werbung klicken. Und kennt nicht jeder irgendwen, der mit der Schere am Küchentisch sitzt, um sich die besten Angebote aus Werbeprospekten auszuschneiden? Eben.

Werbung darf ruhig sein, was sie ist. Sie darf wirtschaftliche Interessen vertreten – wenn sie dies nicht verschleiert. Sie darf durchaus auch mal ungefragt kommen – wenn sie zu mir passt. Und sie bekommt gerne etwas von meiner Aufmerksamkeit – aber nur, wenn sie sich das auch verdient. Lautstärke alleine reicht definitiv nicht.

Bild: sh1mmer // CC-by

7. September 2012

Warum es “das Internet” nicht gibt

Category: Kulturelles,Nerdiges – Author: marius – 14:09

Gerade rollt mal wieder eine öffentliche Debatte darüber, ob das Internet dumm macht. Mich wundert es ein wenig, wie man ernsthaft darüber diskutieren kann, aber auch in meinem direkten Umfeld höre ich solche Thesen immer wieder – auch von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten.

Generell finde ich diese Kritik etwas seltsam, wenn man sich mal vor Augen führt, dass in Deutschland der Durchschnittsbürger mehr als 4 Stunden Fernsehen am Tag schaut (ich frage mich immer noch, wie die Leute das überhaupt schaffen), während im Schnitt gerade mal 83 Minuten täglich auf Internet-Nutzung entfallen. Aber auch beim Fernsehen wird selbst der größte TV-Kritiker eingestehen, dass es hin und wieder gute, intelligent gemachte Sendungen, die einen sicher nicht dümmer machen. Es hängt halt davon ab, was man damit macht.

Beim Internet ist aber so gut wie jede grundsätzliche Kritik vollkommen sinnlos. Das Internet ist nicht einfach so etwas wie der digitale Nachfolger von analogen Medien, sondern etwas komplett anderes.

Wenn ich per Skype mit einem Freund spreche, dann nutze ich unbestreitbar das Internet. Werde ich davon dümmer? Kommt vermutlich stark darauf an, was dabei gesprochen wird. Mir wäre aber keine Studie bekannt, die zeigt, dass Telefonieren dumm macht – und das tun Millionen von Menschen jeden Tag.

Macht es mich dümmer, wenn ich einen Wikipedia-Artikel lese? Oder wenn ich einen Blog-Beitrag schreibe? Wie ist das beim gemeinsamen Editieren eines Fachartikels über Google Docs? Beim Anhören eines Musikstücks über Spotify? Oder beim Betrachten eines Spielfilms über Lovefilm?

Das alles sind völlig unterschiedliche Tätigkeiten – aber bei allen nutze ich in irgendeiner Form das Internet. Jede einzelne dieser Tätigkeiten löst höchstwahrscheinlich irgend etwas in meinem Gehirn aus – aber dasselbe gilt auch für Spazieren gehen, Bier trinken, Auto fahren, Zeitung lesen, mit Freunden sprechen oder Papierflieger basteln. Generelle Studien über die Auswirkungen von übermäßigem Papierfliegerbasteln dürfte es jedoch kaum geben.

(Fast) jede Generalisierung über das Internet muss also falsch sein.

Hinter diesen gerne gemachten Generalisierungen steckt immer irgendeine Annahme darüber, was das Internet denn eigentlich ist. Im Kern ist es dabei einfach nur eine Menge von vernetzten Rechnern, die auf eine bestimmte Art und Weise miteinander kommunizieren. Das Internet ist einfach nur eine Kommunikations-Infrastruktur – nicht mehr und nicht weniger.

Wer nun behauptet, das Internet mache dumm, schlau, aggressiv, friedlich oder kreativ, der kann eigentlich nur bestimmte Arten der Nutzung damit meinen – und die reichen nunmal von ziemlich komplexen geistigen Tätigkeiten bis hin zu eher banalen Dingen. Diese alle über einen Kamm zu scheren kann nur zu falschen Schlussfolgerungen führen. Das Internet als homogenes, klar definierbares Element unserer Kultur existiert schlicht und einfach nicht.

Meine Vermutung ist, dass der Versuch, allgemein gültige Aussagen über das Internet zu treffen, nicht so sehr aus dem Wunsch wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn getrieben ist. Hier dürfte eher eine Mischung aus diffuser Zukunftsangst, Unverständnis gegenüber Teilen der Netzkultur und allgemeiner Verklärung der Vergangenheit am Werk sein. Dafür habe ich durchaus Verständnis – aber richtiger werden Behauptungen über “das Internet” dadurch eben leider nicht.

Bild: hdzimmermann // CC-by-nc-sa

27. April 2012

Keine Experimente?

Category: Alltägliches – Author: marius – 21:50

Immer mal wieder höre ich die Redewendung “Keine Experimente!”, und das in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Da kann es um die Zubereitung von Lebensmitteln gehen, um Freizeitgestaltung, aber auch um Entscheidungen im Job oder um fast beliebige andere Themen.

Jedes Mal, wenn jemand so etwas wie “Da machen wir jetzt keine Experimente.” sagt, dann könnte ich die Wände hoch gehen. Ich halte diesen Satz in den allermeisten Fällen für falsch, kontraproduktiv und unnötig einschränkend. Weil die Gründe dafür aber nicht in einem Satz erklärt sind und ich meine Aufregung nicht jedes Mal wieder runterschlucken möchte, versuche ich jetzt, das Ganze einmal zusammenzufassen.

Skeptisch macht mich schon die Herkunft dieses Spruchs. “Keine Experimente!” ist nämlich nicht etwa einfach nur eine Redewendung, die dem Volksmund entstammt, sondern ein Slogan, der von einer Werbeagentur für den Wahlkampf der CDU 1957 erdacht wurde. Damals war das anscheinend ein ziemlich erfolgreicher Slogan und die CDU erreichte in der folgenden Wahl die absolute Mehrheit im Bundestag. Zu der Zeit war ich zwar noch nicht geboren, aber irgendwie hätte ich allein schon wegen der Herkunft ein schlechtes Gefühl bei dem Satz.

Für mich schwingt bei dem Satz auch immer eine negative Grundhaltung gegenüber dem Experiment an sich mit. Dabei ist ein Experiment an sich etwas recht harmloses und nützliches, nämlich eine methodisch angelegte Untersuchung zur Gewinnung von Informationen. Experimente bedeuten nicht, dass man ohne Ziel und Verstand einfach irgendwas ausprobiert, sondern dass man etwas erprobt, um hinterher schlauer zu sein. In der Wissenschaft sind Experimente daher eine sehr wichtige Methode, aber auch im Alltag können Experimente häufig sehr hilfreich sein.

Beispielsweise habe ich beim Kochen sehr viel durch Experimente gelernt. Natürlich schmeckt das Ergebnis nicht immer, aber mit zunehmender Erfahrung werden die Ergebnisse immer besser. Hätte ich denselben Lerneffekt auch durch das Nachkochen von Rezepten erreicht? Wahrscheinlich nicht, denn dann könnte ich zwar bestimmte Gerichte zubereiten, aber hätte keine Ahnung davon, warum bestimmte Kombinationen schmecken und andere nicht – was ziemlich unpraktisch ist, wenn z.B. mal eine Zutat gerade nicht vorhanden ist.

Beim Kochen kann man durchaus noch darüber streiten, ob man experimentieren sollte oder nicht. Ich finde es aber als geistige Grundhaltung sehr wichtig, für Experimente offen zu sein. Kaum jemand stellt noch in Frage, dass wir in einer Zeit leben, in der sich sehr viele Dinge verändern und alte Regeln in vielen Fällen nicht mehr gelten. Das zieht sich über viele relevante Lebensbereiche, von der beruflichen Entwicklung über private Geldanlage bis zu Entscheidungen über Wohnort, Familie oder Freunde.

In einer solch dynamischen Zeit ist es so ziemlich das Dümmste, was man tun kann, wenn man “keine Experimente” macht. Wenn alte Regeln nicht mehr gelten, dann muss man neue finden, um sich zumindest halbwegs im Leben zurecht zu finden. Experimente können dabei helfen, wenn man sie richtig benutzt.

Für mich persönlich steht das Experiment im Alltag auch für eine positive, optimistische Haltung gegenüber der Zukunft. Ich weiss zwar nicht, was die Zeit so bringt, aber durch gezieltes Ausprobieren und immer wieder neues Hinterfragen von Gewohntem bleibe ich in Bewegung und habe damit gute Chancen, mit immer neuen Veränderungen gut zurecht zu kommen.

“Keine Experimente!” steht für mich im Gegensatz dazu für eine eher in die Vergangenheit gerichtete Grundhaltung. Wer nicht experimentiert, der muss sich auf das verlassen, was andere für ihn herausgefunden haben. Das kann gut sein, muss aber nicht – und in jedem Fall macht man sich damit stark von anderen abhängig.

Ich habe es außerdem häufig erlebt, dass der Spruch “keine Experimente” einfach nur genutzt wird, um eine laufende Diskussion zu kappen. Irgendwie scheint das für viele ein einleuchtendes Argument zu sein – obwohl es eigentlich keines ist. Hier greift vermutlich die allzu menschliche Eigenschaft, Vertrautes eher für wahr zu halten.

Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, diesen Satz in Zukunft etwas seltener zu hören. So gesehen ist dieser Artikel also auch ein Experiment – ich hoffe auf positive Ergebnisse.

8. Februar 2012

Skurrile Produktrezensionen

Category: Sinnloses – Author: marius – 23:07

wenger knife
Unter den ganzen Absurditäten, die das Internet mir jeden Tag vor die Füße spuckt, gehören skurrile Produktrezensionen zu meinen Favoriten. Ich habe mich ja schon früher einmal als Fan von Produktbewertungen von Erfahrungsberichten geoutet, und eigentlich müsste ich mich deswegen auch über jede falsche, irreführende oder unzutreffende Beschreibung aufregen. Es gibt aber ein paar Produktbewertungen, die so gut sind, dass man einfach nur drüber lachen muss.

Ein Klassiker dabei ist das Wenger Schweizer Offiziersmesser: Eigentlich ist es einfach nur ein Schweizer Messer mit absurd vielen Werkzeugen und Funktionen. Einige Kunden haben sich daraus einen Spass gemacht und beschreiben in den Rezensionen zahlreiche Funktionen, die das Produkt gar nicht hat – vom Raketenwerfer bis hin zum Fluxkompensator. Bei Amazon.com gibt es sogar noch mehr lesenswerte Kommentare. Mein Favorit ist dabei ein Nutzer, der versehentlich mit dem Messer zum König der Schweiz wurde.

Ähnlich vielseitig ist die CNC-Fräsmaschine OPTI F100 TC, bei der die meisten Spaß-Rezensionen mittlerweile leider gelöscht wurden. Man findet aber noch vereinzelte Kommentare im zugehörigen Forum - und fragt sich natürlich trotzdem, wer so etwas wohl bei Amazon bestellt.

Wer ein schönes Geschenk sucht, der ist mit dieser Uhr von Hublot sicherlich gut bedient. Auch wenn mancher Kunde sie wohl mit einem Hubble-Teleskop verwechselt, so ist eine Uhr, die im inneren eines sterbenden Sterns geschmiedet wurde, sicherlich die kleine Summe von 305.600 € wert.

Wer nicht so viel Kleingeld übrig hat, der sollte sich einmal das Three Wolf Moon-Shirt näher ansehen. Das wirkt nicht nur auf Frauen absolut unwiderstehlich, sondern hat sogar magische Kräfte.

Kennt ihr noch weitere skurrile Produktrezensionen? Dann schreibt doch kurz einen Kommentar dazu!

5. Februar 2012

Verteilte Freundschaft

Category: Alltägliches,Nerdiges – Author: marius – 21:49

Es ist erstaunlich, wie schnell man sich aus den Augen verliert. Das wurde mir kürzlich bewusst, als ich einen alten Freund nach längerer Zeit wieder einmal traf – und feststellen musste, dass bei ihm in letzter Zeit sehr viel passiert ist, das ich nicht einmal annähernd mitbekommen habe.

Mein Freundeskreis ist – wie bei vielen anderen auch – ziemlich verstreut. Um jemanden zu sehen, mit dem ich gerne mal einen Abend verbringe, muss ich mindestens 30 Minuten (einmal durch die halbe Stadt) bis maximal 14 Stunden (einmal um die halbe Welt) einplanen. Das ist einerseits schön, denn so hat man immer mal wieder einen Grund, eine Reise zu unternehmen und jemanden zu besuchen.

Andererseits ist es schade, wie wenig Zeit ich mit den Leuten verbringe, die ich wirklich mag. Das Paradoxe dabei: Eigentlich wäre es überhaupt kein Problem, auch über weite Entfernungen eine Freundschaft zu pflegen. Es gibt Telefon, SMS, E-Mail, Facebook, Twitter, Skype, ICQ undundund. An Kommunikationswegen mangelt es nicht – und doch fehlt etwas.

Organische Freundschaft wächst von ganz allein.

Als ein Großteil meiner Freunde noch wenige Fußminuten entfernt wohnte, da ging ich manchmal einfach so vorbei. Man kochte spontan zusammen, schaute sich einen Film an, trank, lachte, spielte, sprach über Pläne und Probleme, spann Ideen und verwarf sie wieder – oder setzte die ein oder andere Idee sogar mal in die Tat um.

Dabei wuchs die Freundschaft ganz selbstverständlich. Man musste sie nicht pflegen, suchen oder herstellen. Sie entstand einfach so, als Nebenprodukt dieser ganzen Gemeinsamkeiten.

Wenn ich mich heute mit einem Freund treffe, den ich lange nicht gesehen habe, dann wird hauptsächlich geredet. Man erzählt sich, wie es im Job so läuft, was man mit dem Partner plant oder wofür man gerne mal wieder mehr Zeit hätte. Das ist auch schön, aber es ist etwas ganz anderes. Es ist bewusste Freundschaftspflege.

Was dabei fehlt ist die Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der sich eine Freundschaft entwickelt, wenn man einfach so Zeit miteinander verbringt. Wenn man erst einmal 2 Stunden unterwegs ist, um jemanden zu treffen, dann schaut man anschließend nicht einfach zusammen eine DVD auf dem Sofa. Das würde sich wie Zeitverschwendung anfühlen. Also wird geredet, denn man hat sich ja lange nicht mehr gesehen.

Virtuelles Zusammensitzen

Was wirklich fehlt wurde mir erst nach und nach klar. Das, was eine Freundschaft (zumindest für mich) ausmacht ist nicht nur das Reden, sondern das gemeinsame Erleben. Für die Kommunikation haben wir mittlerweile viele ganz tolle digitale Tools – für das gemeinsame Erleben aber noch nicht.

Dabei wäre das technisch gesehen durchaus machbar. Vor einer Weile erfuhr ich z.B. von dem Projekt Storyvisit. Das ist gedacht für Kinder, deren Eltern oder Großeltern weit entfernt leben und die darüber gemeinsam ein Buch lesen können. Der Sinn dahinter wurde mir so erklärt: Natürlich können auch entfernt lebende Verwandte mit den Kindern telefonieren. Kinder können aber erst ab einem bestimmten Alter ein “normales” Gespräch am Telefon führen, also z.B. von sich aus etwas erzählen oder Fragen stellen. Deswegen hat man die Möglichkeit geschaffen, dass beide – Kind und Erwachsener – zusammen ein Buch lesen können und darüber ein gemeinsames Erlebnis haben.

Natürlich bin ich erwachsen. Ich kann nicht nur ein Telefon bedienen, sondern auch sinnvolle Dinge in den Hörer reden. Und natürlich gäbe es, wenn ich danach suche, ganz viele Dinge, die ich mit anderen zusammen auch über größere Entfernungen tun könnte. Solche Dinge sind nur leider häufig kompliziert, nerdig oder funktionieren nur auf bestimmten Computern.

Das nächste große Ding: Digitale Gesellschaftsspiele oder der Online-Verein.

Was fehlt wäre eine (oder mehrere) soziale Aktivitäten, die genau so einfach, zwanglos und unkompliziert sind wie ein Brettspiel oder mit ein paar Leuten zu kochen.

Genau an dieser Stelle versagen die aktuell hochgelobten Social Media-Tools nämlich noch fast völlig. Natürlich kann ich auf Facebook mit meinen Freunden virtuelles Gemüse anpflanzen – aber ich muss schon recht viel Zeit da hinein stecken, damit sich das lohnt. Davon abgesehen ist virtuelles Gemüse sicherlich nicht jedermanns Sache.

Theoretisch gäbe es viel, was man gemeinsam machen könnte ohne am selben Ort zu sein: Statt einem gemeinsamen Stadtbummel könnte man sich z.B. in einem Online-Shop ein Outfit zusammenstellen. Man könnte gemeinsam die Playlist für die nächste Party zusammenstellen. Und wer sich etwas mehr zutraut, der könnte ein Buch schreiben, Musik komponieren, Software programmieren und noch viel mehr – und ich bin mir sogar sicher, dass viele Leute das schon tun.

Worauf ich aber hinaus will: Es gibt noch keine einfache, unkomplizierte, unnerdige Möglichkeit, so etwas zu tun.

Es gibt auf der ganzen Welt Millionen von Leuten, die weit weg von den Leuten wohnen, die ihnen wichtig sind. Genau aus diesem Grund ist Telekommunikation ein Milliarden-Geschäft. Wenn es jemand schafft, nicht nur die Kommunikation, sondern auch das Erleben über weitere Entfernungen zu vermitteln, dann wäre das nicht nur eine großartige Idee, die vielen Menschen helfen würde – sondern auch ein ganz großes Geschäft.

Vielleicht schrauben die ersten aber schon längst daran: Während ich über diesen Artikel nachdachte las ich über ein neues Kollaborations-Tool namens “Wunderkit“, das anscheinend Elemente aus Social Networks übernimmt. Genau dieser Aspekt wurde andernorts mit Verwunderung aufgenommen - ich könnte mir aber vorstellen, dass das genau die richtige Idee ist.

 Foto:  petr cervinka // CC-by-nc-nd